Nachlese Busreise Piemont

Reiserückblick Busreise in das Piemont 30.04. – 05.05.2018

Ad pedem montium – am Fuß der Berge – das Piemont war das Ziel der Reise. Die Region ist den Erdmannhäusern immerhin als Straßennamen bekannt, sonst verbindet man den Namen allenfalls noch mit der Piemontkirsche aus der Werbung. Piemont – das Land zwischen Lago Maggiore, Turin und den Seealpen hat sich in letzter Zeit einen Namen als Genießerregion Italiens gemacht – die Erfindung des Slow Food. Der Grissini, Nutella, Trüffel, Gorgonzola und Castelmagnokäse, die Barolo- und Barbarescoweine, der Asti spumante und Martini; alles, aber keine Piemontkirsche. Ferrero hätte besser mit den Haselnüssen, den ‚Tonde gentile‘, den sanften Runden, geworben, die in den Hügeln ausgezeichnet gedeihen. Eine unvergleichliche Natur und viel Kultur runden das Bild ab.

Vorab: Untergebracht waren die 28 Reiseteilnehmer im Best Western Hotel Cavalieri in Bra. Ein 4*Hotel, die Zimmer schön, gutes Essen. Wir befinden uns in Norditalien, da ist nicht so ganz dieses ‚Bella Italia‘ mit Pasta, Pizza etc. Im Land der Haselnüsse isst man Käse und Fleisch.

Am Montag, 30. April 2018, um 6:28 Uhr ging die Reise los, bereits am Engelbergtunnel standen wir im Stau und legten unsere erste Rast an der Raststätte Hegnau am Hohentwiel ein. Die Fahrt ging entlang des Luganer Sees, eine weitere Rast legten wir am gletscherwassergrünen Thunersee ein. Bei der Fahrt durch den Gotthard-Tunnel machten wir wie viele vor uns die erstaunliche Erfahrung der Temperaturveränderung im Tunnel: eingangs 15°, mittig 29°, auswärts 13°! Um 18:15 Uhr trafen wir im Hotel ein. Nach dem Zimmerbezug begaben wir uns zum Willkommensdrink und zum anschließenden Abendessen. Zur Begrüßung gab es Sekt und kleine italienische leckere Snacks, von denen man schon nicht genug bekommen konnte. Das Nebenzimmer hatten wir nicht für uns alleine, eine weitere Busgruppe wurde mit darin beköstigt. Unsere Gruppe saß an großen runden Tischen. Wir wurden mit Ricotta und Spinat gefüllter Pasta, Schweinebraten mit Karotten und Eis bewirtet.

Dienstag, 01. Mai 2018

Wir haben unsere Reiseführerin Martina kennengelernt, sehr kundig und sehr bestimmend. Da an solch einem Feiertag in der Stadt Bra alle Cafe’s und Geschäfte geschlossen haben, änderten wir das Programm ab und fuhren nach Alba. Auf der Fahrt über die Langhe erfuhren wir viel Historisches über das Land und auch den Spruch: Wo Wein ist, ist auch Grappa. Mal sehen wohin uns das noch führt.  Mit Kopfhörer und Audioguides bestückt führte uns Martina durch die Stadt Alba – eigentlich Alba vinum: Weindorf. Die kleine mittelalterliche Stadt hielt vor allem Kirchen für uns bereit. Im Herbst finden hier Trüffelmärkte statt, besonders begehrt ist der teure weiße Trüffel. Alle Läden hatten geöffnet, sodass uns bei der freien Zeit nicht langweilig wurde.

Auf der Rückfahrt Richtung Bra bekamen wir noch eine Führung in einer Torronificio (Nougat-Fabrik) und hatten Gelegenheit zum Einkaufen dieser in verschiedensten Variationen dargebotenen Leckerei.

Am Abend wurde uns italienischer Salat aus Kartoffeln, Erbsen und Karotten; Gnocchi mit Brokkoli-Pesto und Schokokuchen serviert.

Mittwoch, 02. Mai 2018

Es regnet. Wir fuhren über das Gebiet Cinzano um nach Asti zu gelangen. Martina führte uns durch die überfüllte Stadt – ein Krämermarkt fand statt, so war unsere  Freizeit gerettet. Asti ist eine der mächtigsten Stadtrepubliken des Mittelalters gewesen, eingebettet in das große Weinbaugebiet des Monferrato. Der Stadtrundgang führte über den Corso Alfieri zur mittelalterlichen Kirche San Secondo, der größten romantisch-gotischen Kathedrale des Piemont aus dem 14. Jahrhundert. Auf dem Corso Alfieri stehen noch einige der Geschlechtertürme. 

Anschließend fuhren wir durch die weinbewachsenen Hügel des Monferrato. Das Monferrato steht auf der Liste des UNESCO Welterbes wegen seiner einzigartigen Landschaft, übersät mit Schlössern und in den Tuffstein gehauenen Weinkellern. Der Barberawein ist hier zu Hause, den wir bei einer gigantischen Weinprobe auf dem Weingut Boeri kennenlernen durften. Wir wurden mit herrlichen Antipasti überrascht und mehr als nur Weinen. Es gefiel uns sehr gut dort, der Busbauch füllte sich mit vielen Weinflaschen.

Der Abend wurde im Hotel mit in Rosmarinbutter geschwenkten Ravioli, Schweinehaxe mit Kartoffeln und Apfelstrudel beendet. Die Einen oder Anderen trafen sich an der Hotelbar noch zu einem Absacker.

Donnerstag, 03. Mai 2018

Woher kommt in Erdmannhausen der Straßenname: Piemonteserstraße? Um das herauszufinden fuhren wir ins Waldenser Tal nach Torre Pellice. Bei der Führung durch das Museum in zwei Gruppen wurde uns die Waldenser-Geschichte langwierig erklärt. Seit Jahrhunderten ist dieses Territorium auf Grund der besonderen religiösen Begebenheiten unter dem Namen ‚Waldensertäler‘ bekannt. Die Waldenserbewegung ist in Lyon um 1170 entstanden, als der Kaufmann Waldes nach einer geistigen Krise das Evangelium entdeckte und von da an in apostolischer Armut lebte. Viele fühlten sich angesprochen – so entstand die Bewegung der Armen, die sich nach ihrer Vertreibung aus Lyon in Europa verbreitet. Im Piemont sammelten sich die Familien. Das ist bis heute der Ausgangspunkt der kleinen, aber sehr lebendigen evangelischen Kirche. Im Gemeindesaal wurde uns ein köstliches Mittagessen serviert.

Aufgrund des anhaltenden Regens konnten wir die Höhlenkirche von Agrogna nicht besuchen, doch die Fahrt mit lautstarkem Hupen über Berg und Tal war trotz der grauen Sicht recht sehenswert. Statt der Höhle haben wir das Kloster Abtei Santa Maria zu Staffarda besichtigt. Die Abtei ist heute Pfarrkirche im Herzen eines großen Landgutes. Die Abtei stammt aus dem 12. Jahrhundert und floriert so, dass sie bald zur berühmtesten Bruderschaft der Zisterzienser wurde. Doch alles hat seine Zeit.

Den total verregneten Tag versuchte das Hotel mit leckerem Abendessen in Form von Gemüselasagne, Hähnchen mit Tomatensoße, Kartoffeln und Erbsen und einer Bayerischen Creme mit Erdbeeren aufzulockern.

Freitag, 04. Mai 2018

Es regnet noch immer. Die Regenschirme konnten wir den restlichen Tag immer offen lassen. Martina führte uns durch Bra. Bra liegt im Tanarotal und in dieser Stadt dreht sich alles um Kulinarik und Viehzucht. Die einzigste Universität für Gastronomiewissenschaften wurde 2004 in Bra gegründet und auch die Cheese – die wichtigste Käsemesse – findet alle 2 Jahre hier statt. Der DOP Brakäse wird seit dem 15. Jhr. Nach gleichem Rezept zubereitet und dient zur Pestozubereitung als Reibekäse oder Snack zum Wein. Besonders stolz ist man hier auf das piemontesische Rind, dem Bollito, der auf saftigen Bergwiesen lebt. EinProdukt daraus ist die Salsicca di Bra, eine Bratwurst. Neben der Kulinarik gibt’s auch Kultur wie Kirchen, Piazzas und Pallazis – Martina hat uns vieles davon gezeigt. In Bra war Markttag, sodass dem Einkauf von leckerem Käse und Salami nichts im Wege stand. Eine unserer Busreisenden war in einem Café gestürzt, so machten wir einen Umweg über das Hospital, wo die Kopfwunde versorgt wurde. Zum Glück ist es dabei geblieben.

Das Städtchen Barolo stand noch auf dem Programm. Ein kleines sauberes Städtchen mit 650 Einwohnern, gekrönt von einem Schloss, das ein Weinbau und ein Korkenziehermuseum beherbergt. Beim Bummel durch die sehr steile Stadt, konnte ein Turm per Aufzug erobert werden – die Aussicht war bedingt durch den gestoppten Regen recht weit. Ein heftiger Platzregen ließ alle Reisenden in den Bus stürzen.

Auf dem Rückweg zum Hotel machen wir noch an einer Trüffel-Manufaktur Station. Wir bekamen Erläuterungen zum Trüffel, Kostproben und durften uns beim Einkauf austoben: Pesto, Risotto, Chips, Honig, Senf.

Am Abend servierten uns das Hotel landestypische Spezialitäten: Anti-Pasti-Teller, Salami-Käse-Teller, Linguine mit Bra-Wurst-Ragout, Rinderfilet mit Kartoffelbrei und Panacotta.

Die Rückfahrt erfolgte am Samstag, 05. Mai 2018, mit pünktlichem Start und man glaubte es kaum: mit Sonnenschein. Mit mehreren Gesundheitspausen (Pinkelpausen) ging die Fahrt über die Schweiz durch den Gotthard-Tunnel – diesmal mittig 30° – zurück nach Deutschland. Bei der Raststätte Hegnau legten wir die letzte Pause ein und unsere Vorständin schenkte Grappa aus.

Unserem Fahrer Rainer – der uns über 1900km sicher gefahren hat – wurde mit einem Gedicht von Sabine gedankt und Carmen bedankte sich im Namen der Reisenden  bei Sabine für die Reiseleitung. Wenn auch das Wetter nicht so ganz dem ‚Bella Italia‘ entsprochen hat – denn wir waren ja schließlich in Norditalien unterwegs – so tat der anhaltende Regen der guten Stimmung unter den Reiseteilnehmern keinen Abbruch.

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